Skandal mit vielen Unbekannten: Fipronil-Eier beschäftigen die EU - Bau & Landmaschinen Service Tix

Willkommen auf den Seiten von Bau & Landmaschinen Service Tix

Skandal mit vielen Unbekannten: Fipronil-Eier beschäftigen die EU

Erschienen am 06.09.2017
Von Ansgar Haase, dpa

Wie lange haben Verbraucher unbewusst mit Insektengift belastete Eier gegessen? Wie konnte es dazu kommen? Und wer trägt Verantwortung? Noch immer sind etliche Fragen zum Eier-Skandal unbeantwortet. Jetzt diskutierten erstmals die zuständigen EU-Minister.

Tallinn (dpa) - Das Ausmaß des Skandals um mit Insektengift belastete Eier ist auch rund eineinhalb Monate nach seiner Aufdeckung unklar. An diesem Dienstag beschäftigte sich erstmals ein EU-Ministertreffen mit den Fipronil-Funden. Können die Verbraucher bald aufatmen? Wichtige Fragen und Antworten im Überblick:

Wie ist Lage in Deutschland?

In der Bundesrepublik sind nach jüngsten Erkenntnissen in mindestens sieben Hühnerbetrieben Reinigungsmittel mit dem in der Geflügelzucht verbotenem Insektizid Fipronil verwendet worden. Im Vergleich zu Nachbarländern ist die Zahl damit vergleichsweise niedrig. In den Niederlanden waren zeitweise 258 Betriebe gesperrt, in Belgien 93. Ebenfalls nur in Einzelfällen wurde das Insektengift in Ställen in Frankreich, Italien und Ungarn nachgewiesen.

Wie viele Eier sind bereits wegen des Skandals vernichtet worden?

Zu Zahlen will sich seit einiger Zeit niemand mehr äußern. Sie änderten sich ständig, erklärten die Behörden zuletzt. Das Bundesagrarministerium hatte im August die Zahl von 10,7 Millionen möglicherweise mit Fipronil belasteten Eiern genannt, der niedersächsische Agrarminister Christian Meyer (Grüne) sprach allerdings später allein für sein Bundesland von 35,3 Millionen Eiern. Europaweit dürfte es um eine dreistellige Millionenzahl gehen. Bis Dienstag hatten 26 der 28 EU-Staaten gemeldet, dass bei ihnen mit dem Insektengift verunreinigte Eier oder Eierprodukte aufgetaucht sind. Hinzu kamen Meldungen von 19 Nicht-EU-Staaten.

Fipronil wurde vermutlich schon seit dem vergangenen Jahr, wenn nicht noch länger in Ställen eingesetzt. Gibt es Schätzungen darüber, wie viele mit dem Insektengift verunreinigte Eier in den Handel kamen und verzehrt wurden?

Auch das ist unbekannt. Aber es dürften sehr viele sein, da die stark betroffenen Niederlande zu den großen Eier-Produzenten in der EU zählen. Ganz grob werden nach Angaben der EU-Kommission pro Jahr in der EU rund 110 Milliarden Eier produziert. Das entspricht rund 300 Millionen Eiern pro Tag.

Ist bekannt, dass sich Menschen durch den Verzehr von Fipronil-Eiern vergiftet haben?

Nein. Das Risiko wird auch als vergleichsweise gering angesehen. Eine akute gesundheitliche Gefährdung sei unwahrscheinlich, hieß es zuletzt vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Dies liegt vor allem daran, dass die Fipronil-Konzentration in den getesteten Eiern in den allermeisten Fällen unter dem Wert gelegen hat, der nach wissenschaftlichen Erkenntnissen schädlich sein könnte.

Welche Folgen hat der Skandal für deutsche Landwirte?

Die Geflügelbranche rechnet mit Schäden in Millionenhöhe. Neben Eiern konnten auch Eierprodukte nicht ausgeliefert werden. Gegen Landwirte, auf deren Höfen Fipronil verwendet wurde, laufen zudem Ermittlungsverfahren. Die Verwendung des Insektizids in Hühnerställen stellt nämlich einen Verstoß gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch dar. Die Landwirte haben sich zum Teil bereits zu den Vorwürfen geäußert und versichert, von der unerlaubten Substanz nichts gewusst zu haben.

Und im Ausland?

Am stärksten betroffen sind die Niederlande, wo mit einem Schaden in dreistelliger Millionenhöhe gerechnet wird. Dort sitzen mittlerweile auch zwei mutmaßliche Schlüsselfiguren des Skandals in Untersuchungshaft. Die Männer waren Chefs der Stallreinigungsfirma Chickfriend und sollen bei der Säuberung von Hühnerställen bewusst Reinigungsmittel mit Fipronil eingesetzt haben, um kostengünstig und effizient die Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae), umgangssprachlich auch Blutlaus genannt, zu bekämpfen. Das weit verbreitete Spinnentier ernährt sich vom Blut verschiedener Vogelarten und gilt als einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schädlinge in der Geflügelzucht.

Das klingt alles nach Betrug. Warum gibt es jetzt politische Gespräche bei dem Agrarministertreffen in Estland?

Vor allem, weil der Skandal womöglich schon viel früher hätte aufgedeckt werden können. In den Niederlanden bekamen Behörden bereits im vergangenen Jahr einen Hinweis darauf, dass Fipronil illegal in Ställen eingesetzt werde. Und selbst nachdem belgische Behörden in Eiern Fipronil nachgewiesen hatten, dauerte es noch einmal mehrere Wochen bis am 20. Juli über das EU-Schnellwarnsystem RASFF auch die anderen Mitgliedstaaten informiert wurden.

Hat das Ministertreffen in Tallinn konkrete Ergebnisse gebracht?

Beschlüsse gab es keine, da es zunächst einmal einen Meinungsaustausch geben sollte. Nach Angaben von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ist man sich aber einig darüber, dass das europäische Schnellwarnsystem verbessert werden kann. Am Ende könnten zum Beispiel klarere Regeln für den Umgang mit Verdachtsfällen und mehr europäische Kontrolle stehen. Am 26. September soll in Brüssel weiterdiskutiert werden.

Können Verbraucher derzeit unbesorgt Eier essen?

Verbraucherschützer sagen ja. Nach den strengen Kontrollen soll es nahezu ausgeschlossen sein, dass noch Fipronil-Eier im Handel sind. Allerdings müssen sich Verbraucher auf steigende Preise einstellen, da das Angebot wegen der Sperrung von Betrieben eingeschränkt ist.