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Schlachten ohne Stress

Erschienen am 15.09.2017
Wenn Rinder im Schlachthof getötet werden, löst das bei den Tieren Angstzustände und Stress aus. Ein Landwirt aus dem Allgäu hat nach einer Alternative gesucht - und will den Tieren durch eine unkonventionelle Methode ein würdiges Ende bereiten.

«Schlachten macht nie Spaß», sagt Herbert Siegel. «Aber zumindest kann man versuchen, beim Tier Angst und Stress zu vermeiden.» Seit einem Jahr schlachtet der Landwirt seine Rinder in einer mobilen Box direkt auf seinem Allgäuer Hof im bayerischen Missen. Er ist einer der wenigen Landwirte in Deutschland, die das tun - und ihren Rindern dadurch ein würdevolles Ende bereiten wollen.

Siegel hat sich aus Gründen des Tierwohls für die alternative Schlachtmethode entschieden. Früher wurden auch seine Rinder noch zum Schlachthof transportiert - das löste bei ihnen riesigen Stress aus, erzählt der Biobauer.

Jetzt lässt er seine Rinder direkt auf der Weide von einem Jäger erschießen. Neben dem Schützen ist bei jeder Schlachtung ein amtlicher Tierarzt und ein Metzger dabei. «Wir fahren mit der Schlachtbox zur Herde», erklärt der Landwirt den Ablauf. «Dem Rind, das zu schlachten ist, schießt der Jäger mit einem Gewehr mit Schalldämpfer direkt ins Gehirn. Der Schuss muss sitzen, dann ist das Rind sofort tot. Die anderen Kühe merken davon so gut wie nichts und regen sich nicht auf», sagt Siegel.

Der anwesende Metzger bringt das tote Tier in die Schlachtbox und lässt es nach einem Halsschnitt ausbluten. Danach wird die Box geschlossen, das tote Rind in die Schlachtstätte gefahren und dort weiter verarbeitet.

Tierschützer begrüßen die Methode. Immer wieder kritisieren sie die Bedingungen, unter denen Tiere meistens geschlachtet werden. «Wenn denn schon ein Tier getötet werden muss, ist eine Tötung auf der Weide natürlich vorzuziehen», sagt Andreas Brucker vom Tierschutzbund Bayern.

Nach seiner Auffassung wird bei gewerblichen Schlachtungen oft schon beim Transport mit illegalen Mitteln gearbeitet. «Da kommen teils Stockschläge und Elektrotreiber zum Einsatz», meint Brucker, der in der Vergangenheit immer wieder Schlachthöfe besichtigt hat.

Beim Abladen müsse dann alles ganz schnell gehen. «Die Tiere kommen in Gatter, die teils total überfüllt sind», sagt er. «Da entstehen Rivalitäten und Panik, wodurch sich die Tiere oft Verletzungen zuziehen.» Immer wieder würden einzelne Tiere nicht ordnungsgemäß betäubt - dann sind sie noch bei Bewusstsein, während sie ausbluten.

Dass der Tierschutz bei der Schlachtung zu wenig Beachtung finde, sagt auch Lea Trampenau. Die Agrarwissenschaftlerin berät europaweit Landwirte zu alternativen Schlachtmethoden. Deutschlandweit schlachten etwa 200 Landwirte ihre Rinder mit dem Gewehr auf der Weide, schätzt sie. Zum Vergleich: 2015 gab es über 3,5 Millionen gewerbliche Rinderschlachtungen in Deutschland.

Bei anderen Tieren ist die Weideschlachtung bisher nicht erlaubt. Dabei sind Schweine laut Brucker noch mal deutlich sensibler als Rinder. Die Tiere machen zudem einen weitaus größeren Anteil am Fleischumsatz aus: 2015 wurden in Deutschland 59,3 Millionen Schweine geschlachtet.

Der Aufwand ist beim mobilen Schlachten natürlich viel größer als bei Massenschlachtungen, erklärt Siegel. Die Box muss strenge hygienische Vorgaben erfüllen. Zudem müssen eine Genehmigung durch das Veterinäramt, eine waffenrechtliche Erlaubnis und ein Sachkundenachweis vorliegen. Gestattet ist die Methode nur für Rinder, die ganzjährig auf der Weide gehalten werden. Außerdem muss der nächste Schlachtbetrieb in relativer Nähe sein – der Transport darf nicht länger als eine Stunde dauern.

Das hat seinen Preis: Der Allgäuer Biobauer verkauft das Rindfleisch für 18 Euro pro Kilogramm im gemischten Paket. Viele Verbraucher seien bereit, diesen Preis zu zahlen - «die Nachfrage ist groß», sagt Siegel. Zu seinen Kunden gehören unter anderem ein Bio-Hotel und auch Privatleute.

Der Tierschützer Brucker meint: Immer mehr Konsumenten wollen wissen, wo ihr Fleisch herkommt. Doch es brauche Zeit, die Verbraucher aufzuklären. Außerdem müsse eine gesetzliche Regelung her, die festlege, dass Fleisch nicht unter dem Produktionswert verkauft werden dürfe: «Ich kann nicht erwarten, dass ich für drei Euro pro Kilo eine artgerechte Schlachtung erhalte.»
Von Lisa Forster, dpa