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Kleine Grunzer mit großem Hunger: Minischweine brauchen Platz

Erschienen am 26.01.2018
Süß und clever: Minischweine scheinen auf den ersten Blick eine spannende Abwechslung zu Katze und Hund zu sein. Ihre Haltung ist aber nicht zu unterschätzen. Vor allem die Rahmenbedingungen müssen stimmen.

Eversmeer/Berlin (dpa/tmn) - Bei Sabine Duda haben es Schweine wirklich saumäßig gut. Sie wohnt in einem Landhaus mit mehreren Hektar Grundstück in Ostfriesland. Bei ihr leben sechs Minischweine. «Ganz alte Ritter» sind das, sagt Duda stolz. Zwei der Tiere sind 18 Jahre alt, die anderen vier kaum jünger. Das ist bemerkenswert, denn Minischweine werden in der Regel nicht älter als 15 Jahre.

Minischweine, auch Mini-Pigs genannt, werden 25 bis 50 Zentimeter hoch und 30 bis 60 Kilo schwer - so die Regel. Das könne aber auch nach oben ausschlagen, sagt Ursula Bauer von Aktion Tier. Bis zu 120 Kilogramm seien durchaus möglich. Vier bis fünf Jahre nach der Geburt können Minischweine noch wachsen. «Kein Züchter kann garantieren, dass sie klein und süß bleiben. Das ist immer ein Überraschungspaket.»

Lange gab es einen Hype ums Minischwein. Filmstar George Clooney hatte eins, Comicfigur Homer Simpson ließ im Simpsons-Kinofilm ein Minischwein die Decke seines Wohnzimmers entlanglaufen und besang das Tier in der legendären Szene als «Spider-Schwein» («Spiderpig»). Wie ist die Nachfrage heutzutage? «Ungebrochen», sagt Duda, die sich im Verein Schweinefreunde engagiert. Bauer hat einen anderen Eindruck: «Ich habe das Gefühl, es ist weniger geworden. Gott sei es gedankt, müsste man fast sagen.»

Denn der Wirbel hat Schattenseiten, und Duda hat sie hautnah miterlebt: Seit 2004 hat sie Tiere aufgenommen, die ihre Besitzer nicht mehr bei sich haben wollten. Zeitweise hatte Duda bis zu 36 Tiere auf ihrem Hof in der Gemeinde Eversmeer, auf halber Strecke zwischen Aurich und der Nordseeküste. Inzwischen nimmt Duda aber keine jungen Tiere mehr bei sich auf. «Ich bin 57 und möchte nicht noch bis 75 Schweinen nachgaloppieren.»

Viele Leute informieren sich vorher nicht vernünftig, was es heißt, ein Minischwein zu halten, kritisiert Duda. Dabei gibt es zur Haltung und zum Wesen der kleinen Grunzer eine Menge zu bedenken.

Minischweine sind Rottentiere und sollten mindestens zu zweit zusammenleben. Sie brauchen einen isolierten Stall, weil sie im Winter frieren können, und ein Gehege, in dem sie Platz zum Suhlen und Wühlen haben. Minischweine sind äußerst reinlich und machen ihr Geschäft gerne soweit wie möglich vom Stall entfernt.

Auch wichtig zu beachten: Minischweine sind Nutztiere und dürfen nicht in Wohngebieten gehalten werden. Gassigehen ist tabu und kann teuer werden, weil das dann als unerlaubter Tiertransport gilt. Außerdem müssen sich Schweinehalter mit Schweinekrankheiten auskennen und sie bei Verdacht melden.

Im Unterhalt kosten Minischweine nicht viel Geld. Besitzer müssen eher aufpassen, dass ihre Tiere nicht verfetten. Sie werden häufig falsch ernährt, sagt Karl-Heinz Waldmann, Professor von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Waldmann rät Haltern zu kommerziellem Schweinefutter, das energiearm sein sollte.

Rohes Gemüse und Obst sind in Maßen in Ordnung. Avocado und Zwiebelgewächse vertragen Schweine nicht. Tabu sind Süßigkeiten und Essensabfälle jeglicher Art.

«Minischweine sind keine Haustiere», betont Duda. Auf keinen Fall dürfen sie in Wohnungen gehalten werden. Das würden auch die Möbel kaum verkraften. «Sie hätten in der Wohnung die Qualität von einer Abrissbirne.» Kurze Besuche im Haus seien aber in Ordnung.

Clever sind Minischweine, aber auch charakterstark. Sie testen Grenzen aus und brauchen deshalb eine konsequente Erziehung, sagt Duda - besonders die Sauen, die im Minischwein-Kosmos gegenüber den Jungs «die Hosen an haben», wie sie sagt. Gerade in der Rausche, der alle drei Wochen wiederkehrenden fruchtbaren Zeit, können Sauen sehr aufdringlich und übermütig sein. Auch deshalb brauchen sie früh klare Regeln.

Minischweine werden eigentlich für Tierversuche gezüchtet, weil Schweine mit einigen ihrer Merkmale ein geeignetes Modell für den Menschen darstellen. Das Göttinger Miniatur-Schwein sei beispielsweise eine Rasse, die von der Uni Göttingen gezüchtet wurde. Auch an Waldmanns Hochschule in Hannover gibt es eine Zuchtlinie. «An Privatleute geben wir unsere Minischweine aber nicht weiter», sagt er.

Wie erkennen Interessierte dann aber einen seriösen Züchter mit gesunden Minischweinen? Ursula Bauer rät, sich bei einem Besuch vor Ort die Zucht erklären zu lassen. Ist es eine sogenannte Basiszucht, in der die Schweine nach ethischen Maßstäben vermehrt werden? Kreuzt der Züchter also nur die Sauen und Eber, die vom Wesen charakterstark sind, robust und gesund? Oder setzt er nur auf Vermehrungszucht? Mehr als einmal pro Jahr sollte ein Sau Bauer zufolge nicht werfen.

Sabine Duda sieht Minischweinezüchter kritisch. Es gebe keinen Dachverband und damit keine Kontrolle. Vermittlungslisten von Tierheimen oder Vereinen können eine Alternative zum Kauf beim Züchter sein. Sie würde «Second-Hand-Schweine» immer bevorzugen, sagt sie. «Ab einem gewissen Alter wissen sie auch: Da kommt von der Größe nichts mehr dazu.» Dann wissen Schweine-Freunde von vorneherein, was sie bekommen.